Jasna`s Kreativ-Werkstatt: Einen Espresso bitte

Einen Espresso bitte!

Ich war im Juli für ein paar Tage auf Sizilien. Um dieser unglaublich schönen Zeit dort gerecht zu werden, müsste ich eigentlich ein Buch darüber schreiben. Es war einer dieser Urlaube, in denen du spürst, dass am Ende nichts mehr so sein wird, wie es vorher war. Jetzt sitze ich hier mit meinem Laptop auf den Beinen, höre Marco Mengoni, trinke einen Espresso und versuche meine Gedanken zu sortieren.

Kennst du das, wenn du nach ein paar Tagen offline gar nicht mehr richtig im Alltag ankommst? Wenn dich das hektische Leben auf einmal überfordert und du den Einstieg nicht mehr findest?

Das italienische lebensgefühl

Eigentlich hat sich hier ja nichts verändert… es ist dasselbe Umfeld, es sind dieselben Menschen, dieselben Tätigkeiten. Ich glaube, es ist das italienische Lebensgefühl, dass mich in seinen Bann gezogen hat und es mir jetzt so schwer macht, wieder hier anzukommen. Sieht man mal über die finanzielle, wirtschaftliche und politische Lage Italiens hinweg, haben die Italiener eines, was uns hier fehlt: Leichtigkeit. Es ist ein Gefühl, man kann es schwer in Worte fassen. Südländer haben da etwas an sich, das für uns Deutsche völlig exotisch ist. Und ich meine damit nicht, die Art der männlichen Romeos, die dir mit liebestrunkenen Augen die Sterne (ach was, die ganze Galaxie!) vom Himmel holen (wobei das schon auch was hat). Vielleicht mag es am mediterranen Klima und den subtropischen Temperaturen liegen, dass dort alles etwas gemächlicher zugeht. Diese Art findet man in unseren Teilen des Landes nämlich eher selten, und falls doch, verurteilen wir es und fragen uns, wie man nur so durchs Leben kommen kann. Ich schätze meine Heimat sehr und bin dankbar dafür, in einem sehr sicheren und komfortablen Teil der Erde zu leben, doch immer öfter habe ich mittlerweile das Bedürfnis die Dinge loszulassen und mehr Leichtigkeit in mein Leben zu bringen. Raus aus dem starren System. Raus aus dem Terminkalender. Raus aus der gehetzten Gesellschaft. Wahrscheinlich bin ich da keine Ausnahme, es geht sicher vielen hier ähnlich. Aus diesem Hamsterrad auszubrechen erfordert viel Mut und kann oft etwas unangenehm und holprig werden. Doch in jedem Fall wird es sich lohnen.

Was bleibt

Weder Geld noch Ruhm führen zu einem wirklich zufriedenen und glücklichen Dasein. Am Ende zählen keine materiellen Dinge und auch kein beruflicher Erfolg. Es sind die kleinen Augenblicke im Leben, die es zu etwas Besonderem machen und an die wir denken werden, wenn uns nur noch wenig Zeit bleibt. So viele kostbare Momente verschwenden wir damit, uns über Kleinigkeiten zu beschweren, andere zu kritisieren oder unsere Terminkalender mit Nichtigkeiten zu füllen. All das hat letztendlich keine Bedeutung, wenn wir den Blick auf das große Ganze richten und jeden Moment bewusst leben.

Ein bisschen don Vito corleone

Auf der Sonneninsel im Mittelmeer war es unglaublich leicht, die Dinge loszulassen und zu entschleunigen. Das mag vermutlich nicht allein an dieser Umgebung dort gelegen haben, sondern daran, dass im Urlaub einfach alles leichter ist wenn man die Sorgen und den Alltag daheim lässt. Ich habe mir vorgenommen, Italiens Lebensgefühl mit nach Hause zu nehmen. Ich habe es gut verpackt in meinem Koffer übers Meer transportiert, im Allgäu bei Regen aber mit leuchtenden Augen wieder ausgepackt und bewahre es jetzt gut in meiner Seele auf. Ab und an habe ich mich schon davon bedient und musste feststellen, dass ich es das ein oder andere Mal etwas länger suchen musste, bis ich mich durch ein paar kleine Päckchen Sorgen, Ängste oder Stress gekämpft hatte. Und immer wenn es soweit ist, dass der Alltag mich überfährt, schließe ich für einen Moment die Augen und denke an diese unbeschwerte Zeit in Don Corleones Heimat zurück:

Wir sitzen auf den Stadtmauern von Erice, beobachten die Möwen, wie sie sich tanzend durch die Lüfte bewegen, spüren die Sonne auf der Haut als würden ihre Strahlen uns mit sanften Küssen bedecken und lassen den warmen Wind durch unsere Haare gleiten. Bei jedem Atemzug wird meine Brust noch etwas weiter. Ich sauge jeden einzelnen in mir auf als wäre er mein letzter. Wir schlendern durch die engen Altstadtgassen des sizilianischen Bergdorfes und genießen das gemächliche Treiben der Bewohner. Es ist ein unglaublich eindrucksvoller und bezaubernder Ort, der uns immer tiefer ins Innere lockt. Unterwegs treffen wir Enzo, den wir drei Tage zuvor kennenlernten und der uns in sein kleines Restaurant führte, als wir mit hungrigen Mägen vor ihm standen. Es fängt an zu dämmern und plötzlich schlägt die Stimmung um. Wolken verdecken das Blau des Himmels und dichter Nebel zieht durch die Straßen. Feuchtigkeit legt sich über jede Faser unseres Körpers und bedeckt unsere Klamotten bis sie klamm sind. Der Nebel legt sich wie ein Schleier auf diesen Ort und lässt die schwachen Lichter der Straßen nur noch erahnen. Sie verwandeln die Mauern und Burgen des Monte Erice in eine atemberaubende Kulisse, die uns erschaudern lässt. Niemand kommt uns mehr entgegen. Nirgendwo brennen Lichter in den Wohnungen. Es scheint, als wären wir plötzlich allein hier an diesem mystischen Ort. Als wüssten die Einwohner von einem Unheil, das sie zurück in die schützenden Mauern ihrer Häuser treiben lässt. Mit Gänsehaut vor lauter Aufregung streifen wir von einer Gasse in die nächste. Wir haben kein Ziel und lassen uns vom Wind treiben, der unseren Körper immer kraftvoller umkreist. Ich habe nie etwas Vergleichbares erlebt. Alles in mir fängt an zu kribbeln und mein Herz verändert seinen Rhythmus…

Dieser Ort hat mich wirklich derart berauscht, dass es mich in Gedanken immer wieder dorthin zurück zieht.

Man sagt ja, wenn man es eilig hat, soll man langsam gehen. Das nehme ich mir fest vor. Ich bin jetzt nämlich ein bisschen italienisch… da trinkt man erst mal einen Espresso, wenn es stressig wird. „Tranquillo“ ist das Zauberwort. Und das… gefällt mir immer besser.

Andiamo, facciamo un espresso!

Deine Jasna

 

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